Für meine Reise nach Peking entschied ich mich gegen die neuen Hotels und wählte stattdessen Jianguo Qianmen Beijing Hotel in der Yongan Road 175 im Bezirk Xicheng – ein Haus, das bereits 1956 eröffnet wurde. Beim Betreten der Lobby umfing mich sofort die Atmosphäre eines klassischen, staatlich geführten Hotels aus der Mitte des 20. Jahrhunderts: Marmorböden, eine imposante Deckenhöhe, flankierende tropische Pflanzen und das Liyuan-Theater mit seiner zinnoberroten Fassade. Es war kein „Wow-Effekt“, der sich einstellte, sondern vielmehr ein Gefühl beruhigender Beständigkeit. Was die für mich wichtigsten Aspekte betrifft – Ruhe, Qualität der Bettwäsche, Wassertemperatur und Zimmeraufteilung –, so hielt das Hotel einige erfreuliche Überraschungen bereit.
Der Check-in verlief zwar nicht in Rekordzeit, doch das Personal war zuvorkommend und wies von sich aus auf die Ausrichtung des Zimmers sowie die Lage des Aufzugs hin. Ich wohnte in einem „Executive King“-Zimmer (ca. 32 m²) im 7. Stock mit Blick auf die *Hutong*-Gasse. Beim Betreten fiel mir als Erstes der Geruch auf: Es gab keinerlei stickige oder muffige Luft, wie sie in älteren Gebäuden oft vorkommt, sondern nur einen dezenten, frischen Duft. Der Teppichboden zeigte zwar sein Alter und wies an den Rändern sichtbare Abnutzungsspuren auf, war aber gründlich gesaugt und makellos sauber; wer auf solche Details Wert legt, sollte jedoch vorab ein Zimmer in einer renovierten Etage anfragen.
Die eigentliche Überraschung war die Schalldämmung. In Online-Bewertungen wird oft bemängelt, dass man in älteren Hotels alles aus dem Nachbarzimmer hört; hier jedoch blieben – sobald die Tür geschlossen war – Schritte auf dem Flur und Gespräche in den Nachbarzimmern wirkungslos draußen. Nachts war lediglich das gleichmäßige Summen der Klimaanlage zu vernehmen. Ein anderer Gast hatte treffend angemerkt: „Die Bausubstanz ist solide – man hört absolut nichts vom Nachbarn oder aus dem Flur“, und meine eigene Erfahrung bestätigte dies; für Menschen mit leichtem Schlaf ist das Hotel eine hervorragende Wahl.
Die Bettwäsche entsprach dem klassischen Stil eines etablierten Vier-Sterne-Hotels: frische, weiße Baumwolle und eine angenehme Dicke. Es gab eine Auswahl an verschiedenen Kissenhärten, und die Matratze bot festen Halt, ohne durchzuhängen – eine Eigenschaft, die ich schätze und die ich in vielen angesagten, modernen Designhotels oft vermisse. Am Bett gab es genügend Steckdosen, und die Leselampe verfügte über einen Drehknopf im klassischen Stil; der leichte Widerstand beim Drehen verlieh ihr sogar einen gewissen Charme. Der Schreibtisch bot ausreichend Tiefe, um bequem einen 13-Zoll-Laptop und ein Buch unterzubringen, und die warm leuchtende Lampe sorgte für eine angenehme Beleuchtung bei der Arbeit am Abend, ohne die Augen zu strapazieren. Das Badezimmer ist klassisch mit weißen Fliesen und einer Kombination aus Badewanne und Dusche gestaltet; auch wenn die Armaturen leichte Gebrauchsspuren aufweisen, liefert der Wasserhahn einen kräftigen, schnellen Strahl, und heißes Wasser steht innerhalb von Sekunden zur Verfügung. In einigen Zimmern der unteren Etagen fehlt die Kombination aus festem Duschkopf und Handbrause, doch mein Zimmer war in dieser Hinsicht gut ausgestattet. Wer baden möchte, kann an der Rezeption Einweg-Wanneneinlagen kaufen, wobei der eigene Erwerb kostengünstiger ist. Die Pflegeprodukte zeichnen sich durch einen hoteleigenen Duft aus – mit einer Note von Sandelholz –, der zwar nicht luxuriös, aber keineswegs billig wirkt. Die Handtücher sind mäßig flauschig, und die Baumwollbademäntel sind dick genug für Herbst und Winter.
Zu den Details: Kostenloses Mineralwasser in Flaschen wird unbegrenzt nachgefüllt, und die Preise der Minibar sind klar ausgewiesen. Die saisonale zentrale Klimaanlage arbeitet leise. Da es in einigen Zimmerkategorien nur wenige Steckdosen am Bett gibt, empfiehlt es sich, eine kleine Mehrfachsteckdose mitzubringen. Tagsüber sah man das Reinigungspersonal häufig mit seinen Wagen auf den Fluren arbeiten; der Abendservice (Turndown-Service) ist schlicht, aber ordentlich und umfasst die Müllentsorgung sowie den Austausch benutzter Gläser.
Mein Gesamteindruck nach zwei Übernachtungen: Jianguo Qianmen Beijing Hotel ist kein Haus im gehobenen Resort-Stil. Die Ausstattung ist zweifellos in die Jahre gekommen – in manchen Zimmern gibt es vielleicht lockere Schalter, abgenutzte Teppiche oder eine leicht hörbare Klimaanlage –, weshalb es für Perfektionisten womöglich nicht die erste Wahl ist. Wer jedoch – so wie ich – Wert auf einen erholsamen Schlaf, starken Wasserdruck, gute Schalldämmung und freundlichen Service legt, für den ist dieses etablierte Hotel eine Rückkehr wert. Wenn man morgens das Fenster mit den kleinteiligen Scheiben öffnet und Taubenschwärme über die grau gedeckten Dächer ziehen sieht, stellt sich dieses entspannte „Alt-Peking“-Gefühl ein – eine Atmosphäre, die moderne Hotels nur schwer nachahmen können.Mehr anzeigen